Irgendein Dienstag

Immernoch müde von der Nacht sitze ich erschöpft in der S-Bahn nach Hamburg, zurück nach Hause. Ich freue mich auf mein Zuhause, ich freue mich auf die Bilder die ich heute gemacht habe und auf Ruhe.


Im Kulturwohnzimmer ist es anstrengend, ich ertappe mich dabei unfreundliche Antworten zu geben, Markus sagen zu wollen, dass er mir besser in die Augen, statt woanders hinschauen soll. Ich ertappe mich dabei, waghalsige Komplimente als Beleidigung aufzufassen und mich lange auf der Toilette in dem Spiegel anzuschauen.

Heute bin ich hübsch, nein heute finde ich mich hübsch. Ich scheiße auf die Aussage, dass ich eine tolle, starke Frau sein soll. Ich fühle mich dadurch gelabelt. Ist stark ein Synonym für korpulent, schlank bin ich nicht mehr, das war ich mal, sogar sehr dünn. Die Zeiten sind vorbei, jetzt muss ich Verkäufer:innen fragen, ob sie auch Gr. 40/42 haben, ob sie nicht nochmal nach schauen können und verlasse den Laden mit einem senffarbigen Flokati-Oberteil in L.

Ich interessiere mich für Körper, für Formen. Ich stehe dafür ein, zu sich selbst zu stehen, selbstbewusst zu sein, sich zu befreien von Non-Konformismus und anderem Gelaber. Ich bin Feministin, ich mache Kunst die verändern soll, die Wünsche aufzeigt, die verstört.

Doch manchmal bricht das Starke, reißt, ich höre Risse, Ritzen und Nebel. Ich sehe mich anders und erkenne mich nicht. Selbstzweifel, die mich ankotzen, Scheiße aus Hälsen die zu mir schreien. Alles kommt hoch, schwabbt über und wird Zentrum für einen Moment. Und dann kann ich wieder stark sein!

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